PRO KONSTANTIN e.V.
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Baubeschreibung Fort Großfürst Constantin

Kehlturm

Bei dem Kehlturm handelt es sich um ein dreigeschossiges Bauwerk über einem unregelmäßigen Grundriss. Er bildet ein Trapez mit nach Osten divergierenden Schenkeln. Der südwestliche Winkel ist als Viertelkreis ausgebildet. Das Untergeschoss steht an zwei Seiten frei und ist so lediglich im Süden und Westen als Kellergeschoss erkennbar. Seit der Restaurierung von 1987 trägt der Turm einen rauhen gelben Verputz, der dem Original nach empfunden ist. Untergeschoss, Erdgeschoss und Obergeschoss sind durch je ein glattes, rotes Gurtsims voneinander abgesetzt. Den oberen Abschluss bildet ein ebenfalls roter Rundbogenfries unter einem weiteren schmalen Gurtsims. Gekrönt wird der Turm von einem attikaähnlichen Zinnenkranz und einem kleinen blockhausartigen Aufbau mit extrem flachem Zeltdach.

Als Lichtöffnungen dienen im Erd- und Obergeschoss tief eingeschnittene Kanonenscharten mit darüber liegenden kleinen Pulverabzügen. Das Untergeschoss wird lediglich durch einen dichten Kranz von Handfeuerscharten belichtet. Im Blockhaus befinden sich ausgesprochen große Lunettefenster. Unmittelbar rechts neben dem westlich gelegenen Eingang steigt in einem runden Ausbau eine Wendeltreppe bis zum Attikageschoss empor.

Erdgeschoss und Obergeschoss sind weitgehend gleich gestaltet. Ausgehend von einem mächtigen Mittelpfeiler verlaufen breite Gurtbögen zur Außenwand. Dazwischen, jeweils über einer Kanonenscharte, schneidet eine Stichkappe in das Gewölbe. Durch den kreisförmigen Verlauf entsteht der Eindruck einer Ringtonne, die tatsächlich aber aus einem komplizierten System von sauber aus Bruchstein gearbeiteten Kreuzgarten besteht.
Das Untergeschoss wird über eine Treppe erreicht, die sich vom Erdgeschoss um den tragenden Pfeiler zieht und ursprünglich mit einer Klappe verschließbar war. Seine Höhe ist mit ca. 5 m rund ein Drittel höher als die anderen Geschosse, die Grundfläche dagegen wesentlich geringer, da da Untergeschoss gegen Westen an den anstehenden Felsen stößt.
In dem blockhausartigen Aufbau befindet sich nur ein kleiner unregelmäßig rechteckiger Raum mit einem Ausgang zum gedeckten Weg. Neben diesem Raum befindet sich ein zweiter, der ursprünglich nur einen zu entfernenden Balkenbogen besaß und in dem ein Kanonenaufzug endete, welcher mit Ausnahme des Kellers die Geschosse verbindet. Über diese Balkendecke erreicht man auch die Außenterrasse hinter der Zinnenbrüstung.

Seit dem Frühjahr 2001 beherbergt der Kehlturm das Rheinische Faschingsmuseum, das auf eine Initiative des Vereins Pro Konstantin e.V. eröffnet wurde.

Gedeckter Weg, unteres Plateau und Innenhof

Der gedeckte Weg verbindet den Kehlturm mit dem unteren Plateau und entspricht nur in etwa dem Verlauf eines wohl schon seit dem 15. Jh. existierenden Aufgangs von dem ehemaligen Kreuzweg zum Kartäuserkloster.
Er besteht aus einer massiven Basalttreppe und einer daneben liegenden Rampe. Rechts und links wird er von krenelierten Mauern geschützt.

Auf der Südseite befand sich ursprünglich ein trockener Graben, der heute wieder teilweise erkennbar ist. Den oberen Abschluss bildet ein einfacher Torbogen, hinter dem heute eine schmale Treppe zum unteren Plateau führt. Der originale Zugang verlief mit einem weiteren Tor geradeaus durch eine Poterne unter dem Pulvermagazin hindurch. Das untere Plateau bildet eine weitgehend einheitliche Fläche. Von dem ehemaligen Pulvermagazin erkennbar ist nur der Südabschluss, angelehnt an die Stützmauer des oberhalb liegenden Innenhofs, sowie zwei unterirdisch erhaltene Räume. Auffallend ist, dass sich in einem dieser Räume sauber gearbeitete Kämpfergesimse erhalten haben.

Unteres Plateau und Innenhof werden durch eine breite Fahrrampe verbunden, deren Entlastungsbögen teilweise als kleine Räume ausgebildet sind. Die Stützmauer zwischen beiden Höfen zeigt im Westen einen deutlichen Unterschied im Mauerwerk: An dieser Stelle wird der Bruchstein von sauber bearbeiteten Hausteinen abgelöst. Diese zeigen den Verlauf des unterirdischen, nach 1860 angelegten Pulvermagazins. Die Stützmauer stammt im Kern noch aus der Zeit des Klosters, wie die Nahtstelle zwischen Rampe und Innenhof beweist. Die gut doppelt so starke, alte Mauer läuft unter dem heutigen Bodenniveau ungestört weiter.

Im oberen Innenhof bemerkenswert sind vor allem zahlreiche Reste der originalen preußischen Pflasterung entlang des Kasemattenkorps sowie eine geschwungene Fahrrampe in dessen Untergeschoss. Ebenfalls erhalten hat sich der kreisrunde Einstieg in eine Zisterne, die sich mit einer Größe von ca. 8 x 5 m unter dem westlichen Teil des Hofes erstreckt.

Bei Grabungen im Sommer 1995 und 1997 wurden neben dem Eingang zur Kriegsbäckerei in rund 1 m Tiefe mehrere hochmittelalterliche Gräber freigelegt. Die aufwendige Bauweise mit Tuffsteinquadern und Mörtelverputz lassen typische Grablegen des Hochmittelalters erkennen. Durch ihre Lage geben sie wichtige Hinweise auf die mittelalterliche Klosterkirche. Bei den Grabungen wurden darüber hinaus umfangreiche Fundamentierungen sowie ein unter Bodenniveau eingetiefter Raum freigelegt, die mit der Kirche in Zusammenhang stehen dürften und restauriert werden.

Kasemattenkorps - außen

Das Kasemattenkorps besteht aus einer wallartigen Anlage mit zwei stumpfen, nach Südwesten ausspringenden Winkeln. Zur Glacisseite war es ursprünglich mit einem gemauerten trockenen Graben umgeben, der nur im südöstlichen Bereich erhalten ist. Die Außenwand weist, bis auf ein umlaufendes Abschlussgesims, keinerlei erkennbare architektonische Gliederung auf, lediglich über den Abschnitten 7 und 15 ist das Gesims unterbrochen. Zwei geschwungene Konsolen tragen die darüber liegenden blockhausartigen Kanonenaufzüge, die ihrerseits je drei, von Sandsteinpfeilern gestützte Geschützscharten aufweisen. Darüber, im Abschnitt 15 mit dem Haupteingang (ursprünglich über eine hölzerne Brücke erreichbar), trägt ein Lunettefeld die 2012 wiederrekonstruierte Inschrift "Fort Großfürst Constantin" und einen preußischen Adler aus Bronze. Die Lunette wird rechts und links von einem leicht vorragenden, mehrfach getreppten Schmuckgesims betont. Einziger weiterer Schmuck der Außenfassade ist eine heute leider stark verwitterte Sandsteintafel, die ursprünglich wohl ein Wappen oder ein Monogramm zeigte. Das rundbogige Eingangstor wird von einer rechteckigen Laibung aus verschieden großen Sandsteinquadern eingefasst.

Wesentlich aufwendiger ist die Hoffassade gestaltet. Den hangseitigen Abschluss zum Bahnhof und zur Simmerner Strasse bilden jeweils zwei kleine quadratische Türmchen mit flachem Pyramidendach und je einer schmalen Schießscharte zu jeder Seite (das nördliche Türmchen ist in einem Bunker vermauert und nur im Dachbereich erkennbar). Sie springen gegenüber der Hoffassade des Kasemattenkorps leicht vor, so dass  sich dessen durchlaufendes Abschlussgesims aus Basalt verkröpft. Als Dekorationselement verläuft unterhalb des Hauptgesimses ein Korbbogenfries auf kleinen rechteckigen Konsolen, die ihrerseits jeweils auf einer Halbkugel ruhen. Der gleiche Fries schmückt den gesamten Bereich der Kasematten 7 bis 13 und umläuft so auch zwei Treppentürme im Abschnitt 7 und 13. Die Treppentürmchen erheben sich etwa bis auf gleiche Höhe der Seitentürmchen. Den oberen Abschluss bildet ein flaches Kegeldach. Unterhalb der Bedachung verläuft ein mehrfach abgestuftes Abschlussgesims auf geschwungenen Konsolen, während das Hauptgesims die Türme nahtlos umläuft. Die über das eigentliche Kasemattenkorps hinausragenden Teile sind aufwendig belichtet. Ein dichter Kranz von schießschartenähnlichen Rechteckfensterchen umzieht die Türme. Lage und Innengestaltung zeigen jedoch, dass hier reine Lichtöffnungen geschaffen wurden, auch wenn sie nach außen die typische Abschrägung von Schießscharten aufweisen.
Die Hoffassade ist mit einem abwechslungsreichen System von Rundbögen, Rechteckfenstern und sehr hohen Türöffnungen gegliedert. Ursprünglich war das gesamte Äußere des Kasemattenkorps einheitlich mit einem gelb gestrichenen Verputz versehen.
Nur die sparsamen Sandsteingliederungen an der Außenfassade und im Sockelbereich des Innenhofes trugen einen roten Anstrich.

Kasemattenkorps - innen

Das Kasemattenkorps weist im Erdgeschoss insgesamt 18 Kasematten auf (15 ist der Haupteingang); im Untergeschoss 14 (nur 1-10, 11 nur halb, und 17-19 sind unterkellert) und weitere 4 im 2. Untergeschoss (Abschnitt 1, 2, 18 und 19). Zur Glacisseite standen auch alle Untergeschosse ursprünglich frei (Der im Zuge der Entfestigung nach dem Ersten Weltkrieg zugeschüttete Trockene Graben wurde 2011/2012 in den Abschnitten 1 bis 7 komplett und weiter bis zum Abschnitt 9 ansteigend freigelegt.) Die Kanonenscharten des Erdgeschosses sind seit den zwanziger Jahren des 20. Jh. auf Fenstergröße erweitert, die teilweise flankierenden Handfeueröffnungen geschlossen. Bis auf wenige Ausnahmen haben die Kasematten eine weitgehend identische Innengestaltung.

Über unregelmäßigem Grundriss, bedingt durch die jeweilige Lage, weisen die Räume eine tonnengewölbte Decke auf (nur die Kasematten des 2. Untergeschosses haben Kreuzgrate).
Vor den Außenwänden ermöglichten jeweils zwei tiefe Verfalzungen das Einbringen einer Balkenwand im Fall von Beschuss. Unter einigen Fensteröffnungen haben sich Ringe zum Verzurren der Geschütze erhalten. Von den ursprünglichen Holzböden sind keine Reste mehr vorhanden. In den EG-Kasematten 1 bis 3 wurde jedoch 2014 (nach dem durch Brandstiftung verursachten zerstörenden Brand am 05.01.2013) ein Dielenboden nach preußischem Vorbild verlegt. In den Kasematten befindet sich außerdem je eine halbrunde Ofennische an einer Seitenwand. Lediglich einige Kasematten weisen auffallende Besonderheiten auf. An Stelle der Ofennische befinden sich in den Bereichen 9 und 10 zwei große Rechtecknischen mit einer kalottenförmigen Vertiefung. Die Seitenwangen sind konkav eingetieft. Die Bedeutung der Anlage ist bislang noch nicht geklärt. In Kasematte 14 fällt die Unterkonstruktion des Fußbodens auf. Über einem sorgfältig aus Backsteinen gefügten Untergrund erheben sich, einer Hypokaustanlage ähnlich, kleine quadratische Pfeiler. Pläne belegen, dass das große Pulvermagazin auf dem unteren Plateau eine ähnliche Unterkonstruktion des Fußbodens aufwies, so dass möglicherweise davon ausgegangen werden kann, dass Raum 14 eine vergleichbare Nutzung besaß. In der Kasematte 6 hat sich die einzige Bimswand aus der Zeit der Notunterkünfte erhalten. Neben diesen Besonderheiten existiert in Kasematte 11 ein gerader Treppenlauf ins Untergeschoss, an dessen unterem Ende sich eine kleine Wachkasematte befindet, da - anstelle einer benachbarten Kasematte 10 - hier der unterirdische Verbindungsgang zur Feste Kaiser Alexander beginnt (Einstieg noch erkennbar).

Eine Besonderheit stellt der Abschnitt 16-19 dar. Dieser Bereich wurde 1944 zum Befehlsstand des Zivilschutzes ausgebaut. Unter weitgehender Wahrung des vorhandenen Baubestands wurde dazu über dem Kasemattenkorps eine massive Verbunkerung angelegt. Der rechteckige Baukörper, der hofseitig auch eine ursprünglich vorhandene Terrasse einschließt, hat auf der Süd- und Ostseite eine Mauer von 2 m Wandstärke (60 cm Ziegelstein und 140 cm Beton) erhalten. Die Kasematten im Innenbereich weisen weitgehend die gleichen Charakteristika wie jene schon beschriebenen auf. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass der sie verbindende Gang in der Mitte der Kasematten liegt, während er in den Abschnitten 1-14 hinter der hofseitigen Außenwand verläuft. Im UG wurden die glacisseitigen Außenwände im Bereich des Bunkers mit einer Betonwand versehen, so dass Schießscharten und Verfalzungen nur noch teilweise erkennbar sind. Im EG wurden nur die zu Fensteröffnungen aufgebrochenen Geschützscharten mit Betonpfropfen verschlossen (diese wurden 2012 bis auf einen Rest in Kasematte 19 entfernt).
Im Abschnitt 17 des 1. Untergeschosses besteht außerdem noch ein schmaler Einstieg in das unterirdische Pulvermagazin das nach 1860 im Hofbereich angelegt wurde. Die ehemalige Grabenwehr ist in diesem Bereich noch erhalten. Jedoch ist die Gewölbekappe - wahrscheinlich durch einen Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg - etwas versetzt. In der im Zuge des Bunkerbaus vorgesetzten Betonwand wurde eigens ein Durchgang zur Grabenwehr ausgespart, der mit einer Eisentür verschlossen werden konnte. Daraus ist zu schließen, das diese Grabenwehr der Notausgang des Bunkers war. Auch eine auf der Nordseite zu einer großen Öffnung aufgebrochene Schießscharte - die jedoch von außen durch Erdreich verschüttet ist - lässt auf einen Notausgang schließen.

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